Wanderer mit Trekkingstöcken in alpiner Berglandschaft beim Abstieg
Veröffentlicht am Mai 12, 2024

Trekkingstöcke sind keine passive Gehhilfe, sondern ein aktives Werkzeug, das bei falscher Nutzung das Gleichgewicht schwächen kann.

  • Sie können die Kniebelastung um bis zu 25% reduzieren, aber nur mit dynamisch angepasster Länge und korrekter Technik.
  • Das bewusste Weglassen in einfachem Gelände ist entscheidend, um die natürliche Propriozeption des Körpers zu trainieren.

Empfehlung: Sehen Sie Ihre Stöcke als biomechanischen Partner, nicht als Besserungs-Garantie, und passen Sie ihren Einsatz aktiv an Gelände und Ziel an.

Für viele Wanderer, insbesondere bei Knieproblemen oder im fortgeschrittenen Alter, sind Trekkingstöcke zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. Die landläufige Meinung ist klar: Sie schonen die Gelenke, vor allem beim kräftezehrenden Abstieg. Doch die Frage, die sich aus sportphysiotherapeutischer Sicht stellt, ist weitaus komplexer. Handelt es sich um eine echte Unterstützung, die unsere Leistungsfähigkeit verbessert, oder um eine Besserungs-Garantie, die uns langfristig vielleicht sogar schadet, indem sie unserem Körper das natürliche Balancieren abgewöhnt?

Die Antwort liegt nicht in einem simplen Ja oder Nein, sondern in der bewussten Anwendung. Ein Trekkingstock ist kein passives Hilfsmittel, sondern ein aktives Werkzeug. Er entfaltet sein volles Potenzial nur dann, wenn er als Teil einer biomechanischen Partnerschaft zwischen Mensch und Material verstanden wird. Diese Partnerschaft erfordert Wissen über die richtige Technik, die dynamische Anpassung an das Gelände und vor allem die Einsicht, wann der Verzicht auf die Stöcke der grösste Gewinn für den eigenen Körper ist. Die Gefahr eines „propriozeptiven Verlernens“ – also des Verlusts der körpereigenen Tiefenwahrnehmung und Balance – ist real, wenn Stöcke permanent und unreflektiert eingesetzt werden.

Dieser Artikel beleuchtet die Fakten hinter der Gelenkschonung, erklärt die entscheidenden technischen Details für eine effektive Nutzung und zeigt auf, warum die beste Unterstützung manchmal darin besteht, die Stöcke am Rucksack zu befestigen. Ziel ist es, Ihnen die Kompetenz zu vermitteln, Trekkingstöcke so einzusetzen, dass sie Ihre Knie tatsächlich schützen, ohne Ihr angeborenes Gleichgewicht zu kompromittieren.

Um diese Aspekte detailliert zu betrachten, gliedert sich der folgende Leitfaden in verschiedene Kernbereiche – von der messbaren Entlastung über die Materialfrage bis hin zur optimalen Einstellung Ihrer gesamten Ausrüstung.

Inhaltsverzeichnis: Die Biomechanik des Wanderns mit Stöcken verstehen

Um wie viel Tonnen Gesamtlast entlasten Stöcke die Knie auf 1000 Höhenmetern?

Die Frage nach der konkreten Entlastung ist zentral für jeden, der mit Kniebeschwerden wandert. Die gute Nachricht ist: Der Effekt ist nicht nur spürbar, sondern auch wissenschaftlich messbar und signifikant. Beim Bergabgehen wirken bei jedem Schritt Kräfte auf das Kniegelenk, die ein Vielfaches des eigenen Körpergewichts betragen können. Über eine lange Tour summieren sich diese Belastungen zu erstaunlichen Werten. Hier setzen Trekkingstöcke an, indem sie einen Teil dieser Last von den Beinen auf den Oberkörper und die Arme umverteilen.

Studien haben gezeigt, dass durch den korrekten Einsatz von Stöcken die Belastung auf die Kniegelenke erheblich reduziert wird. Eine vielzitierte Untersuchung belegt, dass eine Entlastung von bis zu 25% beim Bergabgehen möglich ist. Um das zu veranschaulichen: Bei einem Wanderer mit 80 kg Körpergewicht, der 1000 Höhenmeter absteigt, können die Knie pro Schritt mit bis zu 240 kg belastet werden. Über die gesamte Distanz summiert sich die Entlastung durch die Stöcke auf viele Tonnen. Pro Kilometer können das bis zu 8 Tonnen sein, die nicht auf den Knien lasten.

Diese enorme Reduktion der kumulativen Belastung ist der Hauptgrund, warum Stöcke bei Arthrose, nach Knieverletzungen oder einfach zur Prävention so wirksam sind. Sie reduzieren nicht nur Schmerzen während der Tour, sondern minimieren auch Mikroverletzungen im Knorpel und an den Bändern, was die Regeneration nach der Wanderung beschleunigt und langfristigen Verschleisserscheinungen vorbeugt. Wichtig ist jedoch zu verstehen: Diese Entlastung ist kein Automatismus. Sie wird nur erreicht, wenn die Stocklänge korrekt eingestellt und die Gehtechnik sauber ausgeführt wird. Ohne die richtige Technik bleibt der Stock eine passive Stütze mit minimalem Effekt.

Wie stellt man die Stocklänge für Aufstieg und Abstieg unterschiedlich ein?

Die effektivste Entlastung der Gelenke wird nur durch eine dynamische Anpassung der Stocklänge an das jeweilige Gelände erreicht. Eine einzige Einstellung für die gesamte Tour ist ein Kompromiss, der die biomechanischen Vorteile der Stöcke stark einschränkt. Die richtige Länge unterstützt den Körper optimal in seiner Bewegung, statt ihn zu behindern. Als Grundregel für die Einstellung im flachen Gelände gilt: Wenn Sie den Stock senkrecht vor sich auf den Boden stellen, sollte Ihr Ellenbogen einen Winkel von etwa 90 Grad bilden. Dies ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Anpassungen.

Die Anpassung der Stocklänge ist der Kern der biomechanischen Partnerschaft mit Ihrem Equipment. Erst durch die richtige Länge kann der Stock die Hebelwirkung entfalten, die für die Kraftübertragung und Entlastung notwendig ist.

Die konkrete Einstellung variiert je nach Steigung. Hier sind die zentralen Anpassungen, um die Stöcke als aktives Werkzeug zu nutzen:

  • Bergauf: Die Stöcke sollten kürzer eingestellt werden als in der Ebene. Eine Verkürzung um etwa 5-10 cm ist ein guter Richtwert. So können Sie sich kraftvoll nach oben abdrücken, ohne die Schultern unnatürlich hochziehen zu müssen. Der Stock dient als Steighilfe und entlastet die Oberschenkelmuskulatur.
  • Bergab: Hier ist die grösste Entlastung für die Knie gefragt. Verlängern Sie die Stöcke um 5-10 cm gegenüber der Grundeinstellung. Dadurch können Sie sich weiter vorne abstützen, den Oberkörper aufrecht halten und einen Teil des Körpergewichts frühzeitig abfangen, bevor es voll auf die Knie durchschlägt.
  • Hangtraversen (Queren): Bei längeren Querungen ist eine asymmetrische Einstellung ideal. Der bergseitige Stock wird kürzer, der talseitige länger eingestellt. Dies hilft, die Wirbelsäule gerade zu halten, eine seitliche Schiefstellung des Beckens zu vermeiden und die Stabilität zu erhöhen.

Carbon oder Aluminium: Was bricht schneller, wenn man im Fels hängen bleibt?

Die Wahl des Materials ist oft eine der ersten Entscheidungen beim Kauf von Trekkingstöcken und wird häufig auf die einfache Formel „Carbon ist leicht, Aluminium ist günstig“ reduziert. Aus physiotherapeutischer und sicherheitstechnischer Sicht ist das Bruchverhalten unter Belastung jedoch ein weitaus wichtigeres Kriterium. Besonders in felsigem, unwegsamem Gelände, wo der Stock in einer Spalte verklemmen kann, zeigen die beiden Materialien fundamental unterschiedliche Eigenschaften.

Aluminiumstöcke bestehen aus einer hochfesten Legierung. Ihr entscheidender Vorteil bei extremer Belastung ist, dass sie sich verbiegen, bevor sie brechen. Wenn Sie im Fels hängen bleiben und Ihr ganzes Körpergewicht auf den Stock verlagern, wird er sich krümmen. Dies hat zwei Vorteile: Erstens gibt es eine Vorwarnung, und zweitens kann ein verbogener Stock im Notfall oft provisorisch zurückgebogen und weiterverwendet werden, um sicher ins Tal zu kommen. Der Nachteil ist ein höheres Gewicht und eine stärkere Vibration.

Carbonstöcke hingegen sind für ihr extrem niedriges Gewicht und ihre hohe Steifigkeit bekannt. Sie absorbieren Vibrationen besser, was auf langen Touren komfortabler ist. Ihr Nachteil liegt in der Sprödigkeit des Materials. Carbon verbiegt sich nicht – es bricht. Bei einer plötzlichen Überlastung, wie dem Verklemmen in einer Felsspalte, kann ein Carbonstock ohne Vorwarnung und schlagartig brechen. Dies birgt ein höheres Sturzrisiko, da die Stütze abrupt wegfällt. Ein gebrochener Carbonstock ist zudem irreparabel.

Die Wahl ist also keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern eine Abwägung von Risiko und Komfort. Für anspruchsvolle alpine Touren in blockigem Gelände, wo ein Verklemmen wahrscheinlich ist, bietet Aluminium eine höhere Sicherheitsreserve. Für lange Wanderungen auf gut ausgebauten Wegen, wo Gewicht und Komfort im Vordergrund stehen, kann Carbon seine Vorteile voll ausspielen.

Warum man Stöcke im leichten Gelände auch mal wegpacken muss

Während Trekkingstöcke in steilem Gelände unbestreitbare Vorteile bieten, ist ihr permanenter Einsatz eine der grössten Gefahren für die natürliche Körperwahrnehmung. Der Mensch besitzt ein hochentwickeltes propriozeptives System – ein Netzwerk von Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken, das dem Gehirn ständig meldet, wo sich der Körper im Raum befindet. Dieses System ist die Grundlage für unser Gleichgewicht und unsere Trittsicherheit. Ein ständiger Stockeinsatz, besonders in einfachem Gelände, kann dieses System „faul“ werden lassen.

Wenn wir immer mit vier Kontaktpunkten zum Boden unterwegs sind, muss der Körper weniger Feinarbeit leisten, um die Balance zu halten. Die feinen Ausgleichsbewegungen der Fuss- und Beinmuskulatur werden weniger gefordert und trainiert. Dies führt zu einem schleichenden „propriozeptiven Verlernen“. Die Folge: Wenn man dann unvorbereitet in eine Situation kommt, in der man schnell reagieren muss (z. B. auf einem rutschigen Stein), ist das neuromuskuläre System nicht mehr so reaktionsschnell. Die Abhängigkeit von den Stöcken kann das angeborene Gleichgewicht schwächen, statt es zu unterstützen.

Deshalb ist es aus trainingswissenschaftlicher Sicht unerlässlich, die Stöcke bewusst wegzupacken. Auf flachen oder leicht welligen Wegen, Forststrassen oder einfachen Pfaden sollten Sie ohne Stöcke gehen. Nutzen Sie diese Abschnitte als aktive Trainingseinheit für Ihr Gleichgewicht. Gehen Sie bewusst, spüren Sie den Untergrund und lassen Sie Ihre Füsse und Beine die Balancearbeit erledigen. Dies stärkt nicht nur die stabilisierende Muskulatur, sondern hält auch Ihr Gehirn darin geübt, schnell auf unebenen Grund zu reagieren.

Um den natürlichen Gleichgewichtssinn aufrechtzuerhalten, sollte von Zeit zu Zeit auch ohne Stöcke gewandert werden.

– Sportler Magazin, Kaufberatung: Wander- und Trekkingstöcke

Wie fasst man in die Schlaufe, um die Hand bei einem Sturz nicht zu verletzen?

Die Handschlaufe eines Trekkingstocks ist ein oft unterschätztes Detail. Ihre primäre Funktion ist nicht, den Stock am Handgelenk zu sichern, sondern die Kraftübertragung vom Arm auf den Stock zu optimieren und die Handmuskulatur zu entlasten. Bei korrekter Nutzung stützt man sich auf der Schlaufe ab und muss den Griff nicht krampfhaft umklammern. Die richtige Technik dafür ist, von unten durch die Schlaufe zu greifen und dann den Griff mitsamt der Schlaufe zu umfassen. So liegt die Last auf dem Handrücken und wird effizient auf den Stock übertragen.

Allerdings wird diese nützliche Funktion in bestimmten Situationen zu einer ernsthaften Gefahr. Bei einem Sturz kann eine fest sitzende Schlaufe verhindern, dass man den Stock loslässt, was zu schweren Verletzungen an Hand, Handgelenk oder Schulter führen kann. Der Stock kann sich verkeilen und als Hebel wirken. Deshalb ist die wichtigste Regel im Umgang mit der Schlaufe nicht die Technik, sondern die bewusste Risikobewertung: Wann nutze ich sie und wann verzichte ich bewusst darauf?

In absturzgefährdetem oder unwegsamem Gelände, wo ein Stolpern oder Ausrutschen jederzeit möglich ist und man die Hände schnell zum Abstützen braucht, gehören die Hände aus den Schlaufen. Die Sicherheit, sich frei bewegen und abfangen zu können, hat absoluten Vorrang vor dem Komfort der Entlastung. Die Entscheidung für oder gegen die Schlaufe ist ein aktiver Teil des Risikomanagements beim Wandern.

Ihr Sicherheits-Check: Wann die Handschlaufe ein Risiko ist

  1. Gelände analysieren: Prüfen Sie, ob Sie sich in absturzgefährdetem Felsgelände, steilen Schuttfeldern oder an ausgesetzten Graten befinden. Wenn ja: Hände aus den Schlaufen!
  2. Hindernisse bewerten: Steht die Querung eines reissenden Baches oder einer kurzen Kletterpassage an? Auch hier gehören die Hände aus den Schlaufen, um volle Bewegungsfreiheit zu haben.
  3. Untergrund prüfen: Auf losem Geröll oder in blockigem Fels, wo die Stockspitze leicht verklemmen kann, erhöht die Schlaufe das Verletzungsrisiko. Hände frei lassen oder Stöcke ganz verstauen.
  4. Nutzung im Flachen: Nur auf gut begehbaren, flachen Wegen, wo ein Sturzrisiko minimal ist, sollten die Schlaufen zur Entlastung der Handmuskulatur konsequent genutzt werden.
  5. Persönliche Verfassung: Fühlen Sie sich müde und unkonzentriert? Dann ist die Reaktionszeit verlangsamt. Erhöhen Sie Ihre Sicherheit, indem Sie auf die Schlaufen verzichten, um im Falle eines Stolperers die Hände sofort frei zu haben.

Warum verhindern knöchelhohe Schuhe Bänderrisse im unwegsamen Gelände effektiver?

Die Debatte um hohe versus niedrige Wanderschuhe wird oft emotional geführt. Aus biomechanischer Sicht ist die Funktion eines knöchelhohen Schuhs jedoch klar definiert: Er soll das Sprunggelenk stabilisieren und vor dem Umknicken schützen, was eine der häufigsten Verletzungen beim Wandern ist. Ein hoher, fester Schaft schränkt die seitliche Bewegung des Sprunggelenks (Inversion und Eversion) ein, während er die natürliche Abrollbewegung nach vorne weitgehend zulässt.

Diese externe Stabilisierung ist besonders in unwegsamem, unebenem Gelände von Vorteil, wo der Fuss auf losen Steinen, Wurzeln oder in kleinen Löchern unerwartet kippen kann. Der Schaft wirkt wie eine Schiene, die die übermässige Dehnung der Aussenbänder verhindert und so das Risiko eines Bänderrisses oder einer Zerrung signifikant reduziert. Dies gilt insbesondere für Wanderer mit einer Vorschädigung oder einer angeborenen Instabilität der Bänder sowie auf langen Touren, wenn die ermüdete Muskulatur ihre eigene Stabilisierungsfunktion nicht mehr vollständig erfüllen kann.

Wie die Expertin Dr. Natina Schregenberger betont, ist die Wahl jedoch immer individuell:

Die Art des Wanderschuhs hängt ab von der Trittsicherheit einer Person, der individuellen Bandstabilität, dem Geländeuntergrund als auch der Zeitdauer der Wanderung.

– Dr. Natina Schregenberger, SRF Wissens-Chat: Sicheres Wandern

Allerdings ist auch ein hoher Schuh keine absolute Garantie. Die Schutzwirkung hängt stark von der Konstruktion und dem Material ab und kann mit der Zeit nachlassen.

Fallbeispiel: Materialermüdung bei Sicherheitsschuhen

Ein Feldtest zur Wirksamkeit von knöchelhohen Schuhen zeigte, dass der Schaft das seitliche Ausbrechen des Knöchels verhindern soll, ohne die natürliche Abrollbewegung zu stören. Die Untersuchung deckte jedoch auch auf, dass durch die wiederholte Bewegung beim Gehen eine Materialermüdung im Schaftbereich eintritt. Dies führt über die Zeit zu einem Stabilitätsverlust und einer verminderten Schutzwirkung gegen Umknicken. Diese Erkenntnis ist auf Wanderschuhe übertragbar: Ein alter, „weichgegangener“ hoher Schuh bietet nicht mehr dieselbe Stabilität wie ein neues Modell.

Die Wahl des Schuhs ist somit, ähnlich wie beim Stock, eine bewusste Entscheidung, die Gelände, persönliche Konstitution und Materialzustand berücksichtigen muss.

Wie stellt man einen Rucksack so ein, dass 10kg Gepäck sich wie 5kg anfühlen?

Ein schlecht gepackter oder falsch eingestellter Rucksack kann die Vorteile von Trekkingstöcken zunichtemachen. Er zieht an den Schultern, verschiebt den Körperschwerpunkt nach hinten und zwingt den Körper in eine ungesunde Ausgleichshaltung, was zu Verspannungen und einer erhöhten Belastung der Knie führt. Ein optimal eingestellter Rucksack hingegen wird Teil des Körpers und verteilt die Last so, dass sie kaum als störend empfunden wird. Das Geheimnis liegt im Lastmanagement, das bereits beim Packen beginnt.

Der wichtigste Grundsatz lautet: Die Hauptlast des Rucksacks sollte auf der Hüfte und nicht auf den Schultern liegen. Der Hüftgurt ist das zentrale Trageelement; die Schultergurte dienen primär der Stabilisierung. Um dies zu erreichen, muss die Last im Rucksack intelligent verteilt werden. Schwere Gegenstände wie Wasserflaschen, Zelt oder Kochutensilien gehören so nah wie möglich an die Wirbelsäule und idealerweise auf Höhe der Schulterblätter. Leichtere und voluminöse Dinge (Schlafsack, Kleidung) kommen nach unten und aussen. Dies hält den Schwerpunkt des Rucksacks nah am Körperschwerpunkt und verhindert eine Hebelwirkung, die nach hinten zieht.

Die korrekte Einstellung am Körper ist der zweite entscheidende Schritt. Sie erfolgt in einer festen Reihenfolge, um die Last optimal zu verteilen:

  • Gewichtsregel beachten: Als Obergrenze gilt, dass der Rucksack nicht mehr als 20-25% des eigenen Körpergewichts wiegen sollte.
  • Hüftgurt schliessen: Setzen Sie den Rucksack auf und positionieren Sie den Hüftgurt mittig auf Ihren Hüftknochen. Ziehen Sie ihn fest an. Er sollte nun den Grossteil des Gewichts tragen.
  • Schultergurte anpassen: Ziehen Sie die Schultergurte so an, dass sie satt am Körper anliegen, aber keinen starken Druck ausüben. Sie sollen den Rucksack nur am Pendeln hindern.
  • Lastkontrollriemen justieren: Diese kleinen Riemen oben an den Schultergurten ziehen den Rucksack näher an den Körper und verbessern die Lastkontrolle. Ziehen Sie sie leicht an.
  • Brustgurt schliessen: Schliessen Sie den Brustgurt und ziehen Sie ihn leicht an. Er verhindert, dass die Schultergurte nach aussen rutschen.

Ein perfekt justierter Rucksack ist die Grundlage für eine gesunde Körperhaltung und ein effizientes Management der Gesamtlast auf einer Tour.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trekkingstöcke entlasten die Knie nachweislich, erfordern aber eine aktive, an das Gelände angepasste Technik.
  • Der bewusste Verzicht auf Stöcke in einfachem Gelände ist entscheidend, um den natürlichen Gleichgewichtssinn (Propriozeption) zu trainieren.
  • Ausrüstung wie Schuhe und Rucksack sind Teil eines Gesamtkonzepts; ihre richtige Auswahl und Einstellung sind ebenso wichtig für die Gelenkschonung.

Wie unterscheidet sich das Gehen mit Schneeschuhen biomechanisch vom normalen Wandern?

Das Wandern mit Schneeschuhen im Winter stellt eine besondere biomechanische Herausforderung dar und unterscheidet sich grundlegend vom normalen Gehen im Sommer. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um die Belastung richtig einzuschätzen und die Technik – insbesondere den Stockeinsatz – anzupassen. Die Hauptunterschiede liegen in der veränderten Standfläche, dem zusätzlichen Gewicht an den Füssen und dem erzwungenen Bewegungsmuster.

Erstens vergrössern Schneeschuhe die Standfläche erheblich. Dies erfordert eine breitere Schrittstellung, was die seitliche Hüftmuskulatur (Abduktoren) und die Stabilisatoren im Beckenbereich stärker beansprucht als beim normalen Wandern. Zweitens bedeutet jeder Schneeschuh ein zusätzliches Gewicht, das bei jedem Schritt aktiv angehoben werden muss. Dies führt zu einer erhöhten Belastung der Hüftbeugemuskulatur. Drittens verhindert die Konstruktion eines Schneeschuhs das natürliche Abrollen des Fusses von der Ferse bis zur Zehe. Stattdessen wird der gesamte Fuss angehoben und wieder aufgesetzt, was einen unphysiologischeren Gangzyklus erzwingt.

In diesem Kontext wird die Rolle der Trekkingstöcke noch wichtiger als im Sommer. Sie sind nicht nur zur Entlastung da, sondern werden zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Gleichgewicht und Vortrieb. Auf dem oft unebenen und rutschigen Untergrund Schnee bieten die Stöcke die notwendigen zusätzlichen Stützpunkte, um die durch die breite Standfläche reduzierte Stabilität auszugleichen. Beim Aufstieg helfen sie, den Körper kraftvoll nach vorne und oben zu schieben, um die Mehrbelastung der Hüftbeuger zu kompensieren. Beim Abstieg sind sie unerlässlich, um einen kontrollierten und gedämpften Gang zu ermöglichen und das Sturzrisiko zu minimieren. Der Stockeinsatz wird beim Schneeschuhwandern somit von einer optionalen Unterstützung zu einem integralen Bestandteil der Fortbewegung.

Um Ihre Wanderpraxis ganzheitlich zu optimieren, ist es essenziell, sich die biomechanischen Grundlagen der Fortbewegung in unterschiedlichen Kontexten bewusst zu machen.

Die bewusste Auseinandersetzung mit Ihrer Ausrüstung und deren biomechanischer Wirkung ist der Schlüssel zu lebenslangem, schmerzfreiem Wandervergnügen. Bewerten Sie Ihre Technik und Ausrüstung regelmässig, um sicherzustellen, dass sie Sie unterstützen und nicht einschränken.

Häufige Fragen zum Thema Trekkingstöcke und Gelenkschonung

Sind Wanderstöcke immer gut für die Knie?

Nein, nicht bedingungslos. Bei korrekter Anwendung, insbesondere beim Abstieg, können sie die Kniegelenke erheblich entlasten. Bei permanentem und technischem falschem Gebrauch in einfachem Gelände können sie jedoch den natürlichen Gleichgewichtssinn (Propriozeption) schwächen, was das Sturzrisiko langfristig erhöhen kann.

Wann sollte man keine Wanderstöcke benutzen?

Auf einfachen, flachen Wegen sollten Sie bewusst darauf verzichten, um Ihr Gleichgewicht zu trainieren. In absturzgefährdetem Gelände, bei Kletterpassagen oder bei der Querung von reissenden Bächen sollten Sie die Hände aus den Schlaufen nehmen oder die Stöcke am Rucksack verstauen, um im Notfall die Hände frei zu haben.

Wie viel Entlastung bringen Wanderstöcke wirklich?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der korrekte Einsatz von Trekkingstöcken die Spitzenbelastung auf die Kniegelenke um bis zu 25% reduzieren kann. Über eine Tour von 1000 Höhenmetern im Abstieg kann sich die Entlastung auf mehrere Tonnen Gesamtgewicht summieren.

Geschrieben von Johannes Dr. Kofler, Facharzt für Sportmedizin und Höhenmediziner mit eigener Praxis in Innsbruck. Experte für Trainingsphysiologie, Akklimatisation und Gesundheit am Berg.