Radfahrer in klarer Bergluft auf 1500 Metern Höhe in den Alpen
Veröffentlicht am März 12, 2024

Das Gefühl der Beschwerdefreiheit in den Bergen ist keine Einbildung, sondern eine messbare physiologische Reaktion Ihres Körpers auf die Höhenluft.

  • Die dünnere Luft zwingt den Körper, seine Sauerstoff-Effizienz zu steigern, was langfristig die Atemwege entlastet.
  • Ab 1.500 Metern ist die Luft praktisch frei von häufigen Allergenen wie Hausstaubmilben, was zu einer sofortigen Linderung führt.

Empfehlung: Ein gezielter und gut vorbereiteter Aufenthalt in mittleren Höhenlagen kann eine wirksame therapeutische Massnahme sein, die weit über einen normalen Urlaub hinausgeht.

Das befreiende Gefühl, in den Bergen plötzlich tief und ohne Beschwerden durchatmen zu können, ist für viele Menschen mit Asthma oder Pollenallergien eine fast magische Erfahrung. Plötzlich scheinen die chronische Enge in der Brust oder die ständig laufende Nase wie weggeblasen. Oft wird dies schlicht mit der „sauberen Luft“ erklärt – eine simple, aber unvollständige Wahrheit. Die Bergluft ist zwar reiner, doch die eigentliche Ursache für diese tiefgreifende Linderung liegt viel tiefer, in der faszinierenden Anpassungsfähigkeit unseres Körpers.

Als Sportmediziner betrachte ich den Körper als ein hochintelligentes System, das konstant auf seine Umwelt reagiert. Der Aufenthalt in der Höhe löst eine bemerkenswerte physiologische Kaskade aus, die weit über die einfache Abwesenheit von Schadstoffen hinausgeht. Es ist, als würde der Körper seine eigene „innere Apotheke“ aktivieren, um sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Die dünnere Luft ist nicht nur eine Herausforderung, sondern ein gezielter Trainingsreiz für das gesamte Herz-Kreislauf- und Atemsystem.

Doch was, wenn wir diesen Effekt gezielt nutzen könnten, anstatt ihn dem Zufall zu überlassen? Was, wenn die wahre Ursache für Ihr Wohlbefinden nicht nur die saubere Luft ist, sondern eine trainierbare Sauerstoff-Effizienz Ihres Körpers? Dieser Artikel entschlüsselt die wissenschaftlichen Mechanismen hinter dem „Wunder der Bergluft“. Wir werden untersuchen, wie Ihr Körper auf zellulärer Ebene reagiert, wie Sie diese Anpassung gezielt steuern und die Risiken der Höhenkrankheit vermeiden können. Ziel ist es, Ihnen ein medizinisches Verständnis zu vermitteln, damit Sie die Kraft der Berge bewusst für Ihre Gesundheit einsetzen können.

Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Höhe, Atmung und Leistungsfähigkeit vollständig zu verstehen, beleuchten wir in diesem Beitrag die entscheidenden physiologischen Prozesse. Der folgende Überblick führt Sie durch die wichtigsten Aspekte – von der Blutbildung über die richtige Akklimatisation bis hin zum optimalen Training am Berg.

Warum produziert der Körper in der Höhe mehr rote Blutkörperchen?

Die Antwort auf diese Frage liegt in einem der elegantesten Anpassungsmechanismen des menschlichen Körpers: der Reaktion auf eine sogenannte kontrollierte Hypoxie. In der Höhe ist der Luftdruck geringer, und obwohl der Sauerstoffanteil in der Luft mit 21 % gleich bleibt, sind in jedem Atemzug weniger Sauerstoffmoleküle enthalten. Ihr Körper registriert diesen geringeren Sauerstoffpartialdruck sofort. Dieses Signal wird von spezialisierten Zellen in den Nieren empfangen, die daraufhin die Produktion eines entscheidenden Hormons hochfahren: Erythropoetin, besser bekannt als EPO.

EPO ist der Startschuss für eine leistungssteigernde Kaskade. Es wandert über die Blutbahn zum Knochenmark und befiehlt diesem, die Produktion von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) massiv zu steigern. Diese Zellen sind die Sauerstofftaxis unseres Körpers, da sie das Protein Hämoglobin enthalten, das den Sauerstoff bindet und zu den Muskeln und Organen transportiert. Mehr rote Blutkörperchen bedeuten eine höhere Konzentration an Hämoglobin und somit eine verbesserte Transportkapazität für Sauerstoff. Medizinische Daten bestätigen, dass bei einem Aufenthalt im Hochgebirge der Erythropoetin-Wert stark ansteigen und Werte bis zu 10.000 mU/ml erreichen kann, während der Normalwert bei 6-25 liegt.

Für einen Asthmatiker oder Allergiker ist dieser Prozess doppelt vorteilhaft. Zum einen wird die generelle Sauerstoffversorgung des Körpers effizienter, was das Atemsystem entlastet und die allgemeine Leistungsfähigkeit steigert. Zum anderen wird das Herz-Kreislauf-System trainiert, mit den verfügbaren Ressourcen ökonomischer umzugehen. Der Körper lernt nicht nur, mehr Sauerstoff zu transportieren, sondern ihn auch effektiver zu nutzen. Dieser Trainingseffekt ist der Schlüssel zu einer langfristigen Verbesserung der Atemfunktion, die auch nach der Rückkehr ins Flachland noch eine Weile anhält.

Wie gewöhnt man den Körper an die dünne Luft, ohne Kopfschmerzen zu bekommen?

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Höhenanpassung liegt in einem Wort: Akklimatisation. Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlafstörungen sind klassische Symptome der akuten Höhenkrankheit und ein klares Zeichen dafür, dass der Körper mit dem Anpassungsprozess überfordert ist. Ein zu schneller Aufstieg gibt dem Organismus nicht die nötige Zeit, die zuvor beschriebenen Mechanismen wie die EPO-Produktion in Gang zu setzen. Die Devise lautet daher immer: langsam und stetig.

Eine bewährte Methode, die auch im Leistungssport Anwendung findet, ist das „Live High, Train Low“-Prinzip (LHTL). Die Idee dahinter ist, in der Höhe zu schlafen und zu leben, um die physiologischen Anpassungen zu stimulieren, während das Training in niedrigeren Lagen stattfindet, wo die Sauerstoffversorgung eine höhere Intensität erlaubt. Für den Gesundheitssportler lässt sich dies ableiten als: „Schlafe in mittlerer Höhe, bewege dich aber moderat und vermeide Überlastung“. Das Bild unten illustriert dieses Prinzip des Wechsels zwischen Erholungs- und Belastungszonen.

Wie effektiv dieser Ansatz ist, zeigt eine Pilotstudie mit Schwimmern, die nach einem dreiwöchigen Trainingslager auf 2300 Metern eine Leistungsverbesserung von rund 2,8 % erzielten. Praktisch bedeutet das für Sie: Wählen Sie einen Urlaubsort auf etwa 1.500 bis 2.000 Metern. Verbringen Sie die ersten Tage mit leichten Spaziergängen und geben Sie Ihrem Körper Zeit. Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 2-3 Liter pro Tag), da die trockene Bergluft dem Körper viel Flüssigkeit entzieht und Dehydrierung die Symptome der Höhenkrankheit verstärken kann. Hören Sie auf Ihren Körper: Müdigkeit ist in den ersten Tagen normal und ein Zeichen, dass die Anpassungsprozesse laufen.

Ihr Aktionsplan zur Höhenakklimatisation

  1. Standortanalyse: Wählen Sie einen Aufenthaltsort zwischen 1.500 und 2.500 Metern. Recherchieren Sie die genaue Schlafhöhe Ihrer Unterkunft.
  2. Anreise planen: Planen Sie, wenn möglich, eine gestaffelte Anreise mit einer Zwischenübernachtung auf halber Höhe (ca. 1.000 Meter).
  3. Die ersten 48 Stunden: Vermeiden Sie jegliche anstrengende Aktivität. Leichte Spaziergänge sind erlaubt, aber keine Wanderungen. Trinken Sie bewusst mehr als üblich.
  4. Symptome protokollieren: Führen Sie ein einfaches Tagebuch: Wie ist die Schlafqualität? Treten Kopfschmerzen auf? Wie ist das allgemeine Wohlbefinden?
  5. Belastung schrittweise steigern: Ab dem dritten Tag können Sie die Intensität langsam erhöhen, aber bleiben Sie stets unter Ihrer gefühlten Leistungsgrenze im Flachland.

Nordsee oder Alpen: Was ist besser für chronische Bronchitis?

Sowohl die Nordsee als auch die Alpen bieten ein sogenanntes Reizklima, das sich positiv auf chronische Atemwegserkrankungen auswirken kann. Die Entscheidung zwischen den beiden hängt jedoch stark von der spezifischen Ursache Ihrer Beschwerden ab. Während die salzhaltige, feuchte Luft an der Küste schleimlösend wirkt und die Bronchien befeuchtet, punkten die Berge mit anderen, oft entscheidenderen Vorteilen, insbesondere für Allergiker.

Der grösste Vorteil der Alpen liegt in der drastisch reduzierten Allergenbelastung. Die Hauptursache vieler chronischer Atemwegsprobleme, einschliesslich allergischem Asthma und chronischer Bronchitis, sind mikroskopisch kleine Allergene in der Luft. Hierzu zählen vor allem Pollen und die Ausscheidungen von Hausstaubmilben. Ab einer bestimmten Höhe können diese Plagegeister schlicht nicht mehr überleben. So berichten Lungenärzte, dass ab 1.500 Metern in unseren Breiten keine Milben mehr vorzufinden sind, da die geringere Luftfeuchtigkeit und Temperatur ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Für einen Hausstauballergiker bedeutet dies eine sofortige und spürbare Entlastung.

Zudem ist die Pollenbelastung in den Bergen zeitlich kürzer und in ihrer Vielfalt geringer als im Flachland. Die klare, trockene und kühle Luft wirkt zusätzlich abschwellend auf die Schleimhäute der Bronchien. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Vergleich der Klimafaktoren: Nordsee vs. Alpen
Faktor Nordsee (Reizklima) Alpen (Reizklima & Schonklima)
Luftfeuchtigkeit Hoch (schleimlösend, befeuchtend) Niedrig (abschwellend, allergenarm)
Allergenbelastung Geringere Pollenbelastung, aber Milben vorhanden Sehr geringe Pollen- und Milbenbelastung (ab 1.500m)
Sauerstoffpartialdruck Normal Reduziert (Trainingseffekt für Herz-Kreislauf-System)
Temperatur Moderat mit Wind Kühler, hohe UV-Strahlung
Primäre Wirkung Befeuchtung und Reinigung der Atemwege Entzündungshemmung, Allergenkarenz, Trainingseffekt

Fazit: Während ein Aufenthalt an der Nordsee bei einer rein durch trockene Schleimhäute verursachten Bronchitis hilfreich sein kann, bieten die Alpen für Allergiker und Asthmatiker mit allergischer Komponente die deutlich umfassendere und effektivere Therapie. Die Kombination aus Allergenarmut und dem Trainingseffekt der Hypoxie ist unschlagbar.

Die Warnsignale für Höhenkrankheit, die man niemals ignorieren darf

So vorteilhaft die kontrollierte Hypoxie für den Körper ist, so gefährlich kann eine unkontrollierte und zu schnelle Konfrontation mit der Höhe sein. Die akute Bergkrankheit (AMS – Acute Mountain Sickness) ist keine Seltenheit und sollte als ernstes Warnsignal des Körpers verstanden werden, das einen sofortigen Stopp des Aufstiegs oder sogar einen Abstieg erfordert. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine normale physiologische Reaktion auf eine zu schnelle Veränderung der Umgebungsbedingungen. Die Häufigkeit von AMS liegt weltweit bei rund 30 bis 50 % bei Personen, die sich in Höhen zwischen 2.500 und 6.000 Metern aufhalten.

Die Symptome sind oft unspezifisch und ähneln einem Kater oder einer Grippe, was sie anfangs leicht zu ignorieren macht. Der wichtigste Indikator ist der höhenbedingte Kopfschmerz. Treten zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Symptome auf, ist von einer akuten Bergkrankheit auszugehen:

  • Übelkeit und Appetitlosigkeit
  • Ausgeprägte Müdigkeit und Schwäche
  • Schwindel und Benommenheit
  • Schlafstörungen

Die physische Belastung und der innere Stress, den eine beginnende Höhenkrankheit auslöst, sind nicht zu unterschätzen, wie das folgende Bild metaphorisch andeutet.

Ignoriert man diese ersten Anzeichen und steigt weiter auf, können sich lebensbedrohliche Komplikationen wie ein Höhenhirnödem (HACE) oder ein Höhenlungenödem (HAPE) entwickeln. Die goldene Regel lautet: Bei Symptomen von AMS nicht weiter aufsteigen. Bessern sich die Symptome nach einer Ruhepause von 24 Stunden auf gleicher Höhe nicht oder verschlimmern sie sich sogar, ist ein sofortiger Abstieg von mindestens 500 bis 1.000 Höhenmetern zwingend erforderlich. Leichte Kopfschmerzen können mit Schmerzmitteln behandelt werden, aber dies darf niemals dazu dienen, einen weiteren Aufstieg zu ermöglichen. Die Signale des Körpers haben immer Vorrang.

Wann sollte man in der Höhe schlafen, um den maximalen Erholungseffekt zu erzielen?

Der maximale Erholungseffekt und die stärkste physiologische Anpassung finden nicht während der Aktivität, sondern in den Ruhephasen statt – insbesondere im Schlaf. Der Körper nutzt diese Zeit, um die durch den Höhenreiz angestossenen Prozesse, wie die Produktion roter Blutkörperchen, umzusetzen. Die Frage nach der optimalen Schlafdauer und -höhe ist daher zentral für einen erfolgreichen Höhenaufenthalt. Die Wissenschaft liefert hierzu klare Empfehlungen, die sich am „Live High“-Prinzip orientieren.

Für eine signifikante und nachhaltige Anpassung des Körpers ist nicht nur die Höhe, sondern auch die Dauer des Aufenthalts entscheidend. Kurze Wochenendtrips haben zwar einen kurzfristigen Erholungseffekt, lösen aber keine tiefgreifende physiologische Anpassung aus. Studien zeigen, dass eine optimale Wirkung erst dann eintritt, wenn man eine beträchtliche Zeit in der Höhe verbringt. So haben Forscher herausgefunden, dass die gewünschte Wirkung eintritt, wenn rund 400 Stunden in einer Höhe von 2.300 bis 2.600 Metern verbracht werden. Leistungssportler verbringen daher täglich zwischen 14 und 19 Stunden in der Höhe, um diesen Effekt zu maximieren.

Für den gesundheitsorientierten Sportler lassen sich daraus folgende, praxistaugliche Regeln ableiten, um die Schlafqualität und Regeneration in der Höhe zu optimieren:

  • Optimale Schlafhöhe wählen: Eine Höhe zwischen 1.500 und 2.500 Metern gilt als idealer Kompromiss. Der Reiz ist stark genug für eine Anpassung, aber das Risiko für Schlafstörungen ist noch gering.
  • Höhen über 2.800 Meter meiden: Ab dieser Schwelle steigt das Risiko für signifikant verschlechterte Regeneration und Schlafstörungen stark an. Die Atmung kann unregelmässiger werden (periodische Atmung), was die Erholung stört.
  • Aufenthaltsdauer beachten: Um eine spürbare Steigerung der Hämoglobinmasse zu erreichen, ist ein Aufenthalt von drei bis vier Wochen optimal.
  • Kein Alkohol am Abend: Alkohol verstärkt die Symptome der Höhenkrankheit und beeinträchtigt die Schlafqualität erheblich.

Ein längerer Aufenthalt in der richtigen Höhe ist also eine Investition in die eigene Gesundheit. Der Körper erhält die Zeit, die er benötigt, um seine „innere Apotheke“ vollständig hochzufahren und das Herz-Kreislauf-System nachhaltig zu trainieren.

Wie trainiert man den Herzmuskel am Berg, ohne in den roten Bereich zu kommen?

Das Training in der Höhe ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet es einen unschätzbaren Trainingseffekt, andererseits ist die Leistungsfähigkeit objektiv reduziert, und die Gefahr der Überlastung ist deutlich grösser. Wer versucht, am Berg die gleiche Geschwindigkeit oder Leistung wie im Flachland zu erbringen, riskiert nicht nur eine Überforderung, sondern hemmt auch die positiven Anpassungsprozesse. Der Schlüssel liegt darin, die Trainingsintensität an die Höhe anzupassen und auf den eigenen Körper zu hören.

Ein fundamentales Phänomen des Höhentrainings ist der initiale Leistungsabfall. Der Körper muss sich erst an die geringere Sauerstoffverfügbarkeit gewöhnen. Eine wissenschaftliche Studie belegt diesen Effekt eindrücklich: Während eines Höhentrainingslagers verringerte sich die maximale Geschwindigkeit der Athleten zunächst deutlich um -3,1 %, um dann nach der Rückkehr ins Flachland auf ein neues Leistungsniveau von +2,8 % anzusteigen. Dieser „Dip“ ist normal und wichtig. Er zwingt den Herzmuskel und den Stoffwechsel, ökonomischer zu arbeiten.

Um sicher im optimalen Bereich zu trainieren, sollten Sie sich von gewohnten Metriken wie Geschwindigkeit oder Distanz verabschieden. Steuern Sie Ihr Training stattdessen nach zwei verlässlicheren Indikatoren:

  1. Herzfrequenz: Ihre Herzfrequenzzonen bleiben in der Höhe weitgehend gleich. Ein Training im Grundlagenausdauerbereich (typischerweise 60-75 % der maximalen Herzfrequenz) ist ideal, um den Herzmuskel zu stärken, ohne das System zu überlasten. Nutzen Sie eine Pulsuhr, um in diesem Bereich zu bleiben.
  2. Gefühlte Anstrengung (RPE – Rate of Perceived Exertion): Trainieren Sie so, dass Sie sich jederzeit noch unterhalten könnten („Sprechtempo“). Wenn Sie nach Luft schnappen müssen, sind Sie bereits im „roten Bereich“. Ihr subjektives Empfinden ist in der Höhe ein extrem wichtiger Gradmesser.

Vermeiden Sie intensive Intervalle oder Wettkämpfe, besonders in den ersten ein bis zwei Wochen. Konzentrieren Sie sich auf lange, gleichmässige Einheiten in einer moderaten Intensität. So trainieren Sie Ihren Herzmuskel, effizienter Blut (und damit Sauerstoff) zu pumpen, und fördern die Kapillarisierung – die Bildung neuer, kleiner Blutgefässe in der Muskulatur. Dies verbessert die Sauerstoffversorgung auf der „letzten Meile“ und ist ein nachhaltiger Gewinn für Ihre Gesundheit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Physiologische Anpassung: Höhenluft stimuliert die Produktion von EPO und roten Blutkörperchen, was die Sauerstofftransportkapazität des Blutes erhöht.
  • Allergen-Vorteil: Ab 1.500 Metern Höhe ist die Luft nahezu frei von Hausstaubmilben, was für Allergiker eine sofortige Linderung bedeutet.
  • Geduldige Akklimatisation: Langsames Aufsteigen und moderate Belastung in den ersten Tagen sind entscheidend, um die Höhenkrankheit zu vermeiden und die positiven Effekte zu maximieren.

Wie bleibt man als Schönwetter-Sportler auch im nasskalten November motiviert?

Der Übergang vom goldenen Herbst zum grauen, nasskalten November ist für viele „Schönwetter-Sportler“ die grösste Hürde des Jahres. Die Motivation sinkt, das Sofa ruft lauter als die Laufschuhe. Doch gerade hier kann ein strategisch geplanter Höhenaufenthalt im Spätsommer oder frühen Herbst eine entscheidende Rolle spielen. Die in der Höhe aufgebaute Fitness und die physiologischen Anpassungen wirken wie ein Motivations-Booster, der einen über die ersten trüben Wochen trägt.

Die positiven Effekte eines Höhentrainingslagers sind nicht von unbegrenzter Dauer. Die erhöhte Konzentration an roten Blutkörperchen und die verbesserte Sauerstoff-Effizienz bilden sich nach der Rückkehr ins Flachland langsam zurück. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass diese Akklimatisationseffekte nach etwa vier bis sechs Wochen wieder verschwunden sind. Das klingt zunächst ernüchternd, ist aber strategisch nutzbar. Wer beispielsweise im September drei Wochen in den Bergen verbringt, profitiert bis weit in den November hinein von einer spürbar höheren Grundfitness.

Dieser Effekt ist psychologisch enorm wertvoll. Läufe oder Radtouren im nasskalten Flachland fühlen sich weniger anstrengend an, die Erholung ist schneller, und das Erfolgserlebnis grösser. Man startet quasi mit einem „eingebauten Rückenwind“ in die ungemütliche Jahreszeit. Dieser körperliche Vorteil macht es leichter, die mentale Hürde zu überwinden und die Trainingsroutine beizubehalten. Die im Herbst aufgebaute Fitness bildet eine solide Basis, die es einfacher macht, den Winter über aktiv zu bleiben, anstatt im Frühjahr wieder bei null anfangen zu müssen. Ein Höhenaufenthalt kann somit als eine Art Investition in die ganzjährige sportliche Konstanz betrachtet werden.

Die Nutzung saisonaler Effekte ist ein cleverer Weg, um die Motivation hochzuhalten. Zu verstehen, wie man einen Trainings-Peak nutzt, um durch ein Motivationstief zu kommen, ist ein wichtiger Baustein für langfristigen Erfolg.

Warum ist Mountainbiken effektiver gegen Manager-Krankheiten als das Fitnessstudio?

Die sogenannten „Manager-Krankheiten“ – ein Sammelbegriff für stressbedingte Leiden wie Bluthochdruck, Burnout oder Spannungskopfschmerzen – haben eine gemeinsame Wurzel: eine Dysbalance zwischen Anspannung und Entspannung. Während das Fitnessstudio zweifellos effektiv ist, um den Körper zu trainieren, spricht Mountainbiken in den Bergen eine zusätzliche, entscheidende Dimension an: die Kombination aus körperlicher Ausdauerleistung und intensivem Naturerlebnis. Genau diese Verbindung macht es zu einer hochwirksamen Waffe gegen chronischen Stress.

Beim Mountainbiken in den Bergen wird das Herz-Kreislauf-System auf ideale Weise trainiert. Die langen, gleichmässigen Anstiege sind perfektes Grundlagenausdauertraining, während die technischen Abfahrten Konzentration, Koordination und Reaktionsfähigkeit fordern. Diese ganzheitliche Beanspruchung ist für Asthmatiker besonders wertvoll. Wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) betont, ist regelmässiger Ausdauersport eine essenzielle Säule der Therapie:

Regelmässiger Sport ist eine sinnvolle unterstützende Massnahme in der Asthma-Therapie. Ausdauertraining senkt die Herzfrequenz bei körperlicher Anstrengung, das Schlagvolumen des Herzens wird erhöht und somit auch die Atemtiefe.

– Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Asthma und Sport

Dies ist besonders relevant, da laut dem DAAB bei fast 90 % aller asthmatischen Kinder ein Anstrengungsasthma diagnostiziert wird, was die Bedeutung von kontrollierter, aber regelmässiger Bewegung unterstreicht. Doch der entscheidende Vorteil des Mountainbikens liegt jenseits der reinen Physiologie. Das Eintauchen in die Natur, die Konzentration auf den Trail und das Erleben der Landschaft wirken wie eine mentale „Reset-Taste“. Die Gedanken an den Arbeitsstress verblassen, der Fokus richtet sich auf das Hier und Jetzt. Dieser meditative Aspekt, kombiniert mit der körperlichen Anstrengung und der sauerstoffreichen, allergenarmen Luft, ist eine Therapieform, die kein Fitnessstudio bieten kann. Es ist eine aktive Form der Stressbewältigung, die Körper und Geist gleichermassen heilt.

Ein gezielter Aufenthalt in den Bergen ist somit weit mehr als nur ein Urlaub. Es ist eine aktive Gesundheitsmassnahme, die Ihr Atemsystem stärkt, Allergien lindert und Ihre allgemeine Fitness nachhaltig verbessert. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ob ein solcher Aufenthalt für Sie eine sinnvolle Ergänzung Ihrer Therapie sein könnte, um die Kraft der Berge optimal für sich zu nutzen.

Geschrieben von Johannes Dr. Kofler, Facharzt für Sportmedizin und Höhenmediziner mit eigener Praxis in Innsbruck. Experte für Trainingsphysiologie, Akklimatisation und Gesundheit am Berg.